Achtung – neue Plagegeister!

06.07.2019 | Sie können gefährliche Krankheiten übertragen – Buntzecken und Hyalomma-Zecken breiten sich vermehrt in der Region aus. Die Tierärztliche Hochschule Hannover startet ein Forschungsprojekt.

Hannover: Sie können gefährliche Krankheiten übertragen – die Buntzecken und die Hyalomma-Zecken breiten sich vermehrt in der Region aus. Nun möchte die Tierärztliche Hochschule Hannover in einem Forschungsprojekt erfassen, in wie weit die Krabbeltiere tatsächlich vorkommen und welche Erreger sie in sich tragen. Die Hochschule bittet auch die Bevölkerung um Hilfe.

Hundebesitzer müssen aufpassen

Erstmals wurde in diesem Jahr die Buntzecke, auch als Auwaldzecke bekannt, gefunden, so Prof. Dr. Christina Strube vom Institut für Parasitologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Beim Menschen kann sie eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen, sofern der Betroffene nicht geimpft ist. Gegen die ebenfalls häufige Übertragung der Infektionskrankheit Borreliose gibt es hingegen keinen vorbeugenden Impfstoff. Bei Hunden kann es zu einer Hundebabesiose (auch als Hundemalaria bekannt) kommen, die in manchen Fällen tödlich verläuft. „Nicht alle Tierärzte haben die entsprechenden Medikamente. Eine Bestellung über die internationale Apotheke kann dann zu spät sein“, warnt Strube. Sie empfiehlt: „Hundebesitzer sollten ihre Tiere mit einem Zecken-Gegen-Mittel schützen.“

Zu finden ist die Zeckenart unter anderem an Wegrändern und in Wäldern.
Zu erkennen ist das Tier an seiner emailleartigen Marmorierung.

Buntzecke - Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover

Buntzecke – Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover

Tropische Riesenzecke breitet sich aus

Siedeln sich die tropische Riesenzecke Hyalomma und die Buntzecke in der Region Hannover an? Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht ihre Verbreitung und bittet um Zusendung von Zecken. Die Gefahr steigt, dass sich neue Krankheiten übertragende Zecken in der Region ansiedeln. Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht deshalb, wie verbreitet die tropische Riesenzecke Hyalomma sowie die Auwald- oder Buntzecke bereits sind. Dazu bitten die Forscher um Zusendung von Zecken dieser beiden Arten.

Die tropische Riesenzecke Hyalomma (rechts, neben einem Holzbock) - Foto: Lidia Chitimia-Dobler

Die tropische Riesenzecke Hyalomma (rechts, neben einem Holzbock) – Foto: Lidia Chitimia-Dobler

Die Hyalomma-Zecken sind kaum zu übersehen: Sogar wenn sie sich noch nicht vollgesogen haben, sind die spinnenartigen Tiere zwei bis drei Zentimeter lang. Außerdem haben sie auffällig gestreifte Beine. „Wir wollen überprüfen, ob sie sich bei uns vielleicht schon etabliert haben“, sagt Professorin Christina Strube, Leiterin des Instituts für Parasitologie. Eigentlich bringen Zugvögel diese exotischen Zecken jedes Jahr aus Afrika, dem Balkan und dem Mittleren Osten mit. Doch bisher konnten sich die Tiere in unseren Breiten nicht lange halten. Im lang anhaltenden trockenen und heißen Sommer 2018 haben sich viele Exemplare jedoch zu ausgewachsenen Zecken entwickelt und auf Wirtssuche begeben. Sie wurden vor allem an Pferden entdeckt, auch in Burgdorf.

Riesenzecken bewegen sich flink auf Menschen zu

Das Besondere: Die Hyalomma lauern nicht auf Beute, sondern sind aktive Jäger. „Sie bewegen sich auf Menschen und Tiere zu und sind auch sehr flink dabei“, erklärt Christina Strube. Die Riesenzecken vertragen sehr hohe Temperaturen, aber auch Minusgrade. Sie könnten also den Winter überlebt haben und nun wieder aktiv werden. Hyalomma-Arten können das Krim-Kongo-Virus sowie Bakterien der Gattung Rickettsia übertragen. Beim Menschen lösen diese Erreger schwere Erkrankungen wie Krim-Kongo-Fieber und Fleckfieber aus. 2018 hat das Team von Professorin Strube bereits rund 30 Hyalomma-Zecken aus ganz Deutschland untersucht. Die Hälfte trug Rickettsia-Bakterien.

Buntzecke ist gerade für Hunde gefährlich

Die Buntzecke oder Auwaldzecke ist dieses Jahr zum ersten Mal in der Region entdeckt worden. Auf Menschen kann sie die Erreger von Hirnhautentzündung und Fleckfieber übertragen, falls sie selbst diese trägt. Der Körper von Buntzecken ist emailleartig marmoriert. Speziell Hunde können sich durch den Biss einer Buntzecke mit einem Parasiten infizieren, der ihre roten Blutkörperchen zerstört. Diese Hundebabesiose oder Piroplasmose führt ohne Behandlung schnell zum Tod. Ein wirksamer Zeckenschutz ist deshalb wichtig.

Zecken der beiden Arten können geschickt werden an:

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Parasitologie
Professorin Strube
Bünteweg 17
30559 Hannover

Der Fundort kann mit der Postleitzahl oder mit GPS-Daten angegeben werden. Die Forscher interessiert auch, auf welcher Tierart die Zecke gefunden wurde.

Die Auwaldzecke zeigt einen dreimaligen Wirtswechsel. Ein kompletter Entwicklungszyklus dauert etwa 1–1,5 Jahre. Als Endwirte der Auwaldzecke spielen Haustiere wie Hunde und Pferde, aber auch Rinder und Schafe, Wildschweine, Rehe und Füchse eine Rolle. Die Paarung der adulten Zecken findet auf dem Wirt statt, wobei die Weibchen eine 8-tägige Blutmahlzeit einnehmen müssen und die Kopulation innerhalb der ersten 3 Tage stattfinden muss. Auf der Suche nach potentiellen Wirten klettern adulte Zecken auf Gräser. Diese werden bis zu einer Höhe von 1,5 m erklommen. Die Weibchen legen nach der Blutmahlzeit im Frühjahr etwa 3000–5000 Eier ab. Die daraus schlüpfenden Larven und nach Häutung daraus entstehenden Nymphen saugen während des Sommers jeweils an Kleinsäugern (Nagetiere, Insektenfresser, Kaninchen). In trockenen Biotopen legen die Nymphen im Mai bis August eine Ruhepause ein, die sie in feuchten Erdschichten verbringen. In Feuchtgebieten bleiben sie den ganzen Sommer aktiv. Der folgende Winter wird in einer Art Kältestarre unter Laub und Moos verbracht, wobei in milden Wintern eine Aktivität bis in den Januar hinein beobachtet wurde. Mit der Häutung zur adulten Zecke im darauffolgenden Frühjahr ist der Entwicklungszyklus komplettiert. Als Lebensraum bevorzugt die Auwaldzecke feuchte Gebiete wie Auwälder sowie Laubwälder. Auwaldzecken benötigen eine Sommertemperatur von 20–22 °C und Niederschlagsmengen von 400–1000 mm. Die Zecken sind kältetolerant und überstehen auch harte Winter. Ursprünglich in Ungarn, Österreich und Norditalien zu finden, hat sich das Verbreitungsgebiet der Auwaldzecke seit den 1970er Jahren stark nach Norden ausgedehnt. In Deutschland wurde die erste natürliche Population 1973 beschrieben, die Einschleppung erfolgte vermutlich über Hunde. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland freilebende Populationen. Als Ursachen werden eine Zunahme natürlicher Biotope infolge Flächenstilllegungen, die damit verbundenen Zunahme an Zwischenwirten und die globale Erwärmung diskutiert.

Quellen

Dr. Eckhard Holtorf, Institut für Tierökologie, Alter Bahnhof Schapen